Im Feuer stehen bleiben...

15-Nov-2017

 

 

Ich tauche langsam wieder aus einem 5-tägigen Workshop mit Andrea und Veit Lindau auf. Wir wurden während dieses Workshops zum Trance Dance Presenter ausgebildet. Trance Tanz ist wohl das älteste bewusstseinsverändernde Ritual dieser Welt. Ohne Drogen. Nur Atem und Musik. 3 Mal am Tag haben wir getanzt. Eine Reise.

 

Der Workshop stand unter dem Thema: Innerer Reichtum.

 

Während meine Intention am ersten Tag noch darin bestand, ein Swimmingpool gefüllt mit Geld zu bekommen und wie Dagobert Duck jeden Tag dort hinein hüpfen zu können, verwischte sich dieses Bild von Tanz zu Tanz.

 

Zu lesen, dass wir Unendlichkeit sind, ist das Eine, es am ganzen Körper zu erleben, ist eine Erfahrung die alles was ich bisher WOLLTE verändert hat und mich damit bis in den Grund meines Wesens berührt hat. Mit jedem Tanz wurde es stiller in mir.  

 

 

Während eines Rituals sollten wir vorher überlegen, wofür wir in unserem Leben mehr Standing, mehr Standhaftigkeit entwickeln und erfahren möchten. Ich bin für die Liebe gegangen. Für meinen Ruf und für meine Beziehung(en).

 

Wir sollten beide Hände, zu Fäusten geballt, gegeneinander auf Brusthöhe halten. Egal was passiert und in uns hochkommen möge, alles kommen lassen, nicht loslassen, bis die Trommelmusik vorbei war. Ich weiß nicht genau wie lange wir da so standen. Nach 5 Minuten begann es zu schmerzen und wurde unangenehm. Ich dachte ich halte es keine weitere Minute aus. Es war ein innerer Gedanken da, wie: „Wann ist es endlich vorbei?“ Sophie die mir zuredete: „Sag Ja dazu und harre nicht einfach aus. Sag aus vollem Herzen Ja. Auch zu diesem Schmerz. Werde zu diesem Schmerz.“

 

Ich sagte Ja. Weinte, schwitzte und zitterte. Als ich dachte, jetzt kann ich wirklich nicht mehr, genau an diesem Punkt, veränderte sich der Schmerz. Meine Arme begannen zu kribbeln, von der Schulter bis zu meinen Fingerspitzen, dann wurden sie warm, der Schmerz verschwand und eine unsagbare Welle an Kraft und Stärke durchströmte mich. Wo kam das denn her? Es wurde so stark, dass ich Schwierigkeiten hatte, meine Hände zusammen zu halten. Sie bebten. Sie zitterten. Halten. Nicht loslassen. Halten. Die Energie blieb und mich überkam eine weitere Welle von tiefer Berührtheit. Selbst als die Musik bereits zum Tanzen übergangen war, konnte und wollte ich nicht loslassen. Tränenüberströmt und kniend blieben meine Hände aufrecht vor meiner Brust stehen.

 

Ja, für dich Liebe gehe ich. Bis zum Schluss.

Ja, für dich mein Herz gehe ich. Bis zum Schluss.

Ja, für dich meine Schwester, mein Bruder, gehe ich. Bis zum Schluss.

 

Was für eine Kraft, was für eine Wandlung der Situation, nur indem ich einen Moment länger stehen geblieben bin.

 

Nur einen Schritt weiter.

 

 

Dieses Ritual hat mich sprachlos zurückgelassen. Ein persönliches Standing zu entwickeln, ist aus meiner Erfahrung die schönste Stufe zu persönlicher Würde.  Etwas in meinem Leben zu finden, wofür ich alles in Kauf nehme, wofür ich im Notfall bereit wäre mein Leben zu geben, ist das größte Geschenk, das ich auf meinem Weg bisher erfahren durfte.

 

Wie heilsam es ist, sein Leben in Verbindung zu etwas Größerem zu setzen. Ich weiß nicht ob ich für eine Currywurst stehen geblieben wäre und den Schmerz dafür in Kauf genommen hätte. Für meinen tiefsten Ruf und für meine Beziehungen war ich allerdings bereit, diesen einen Schritt weiter zu gehen.

 

Ich durfte leibhaftig erfahren, dass es kein Spiri-Schnulli ist, wenn gesagt wird, dass sich hinter dem Schmerz ein unbekanntes magisches Feld eröffnet. Es ist wahr! Jedes Mal wenn ich denke, ich kann nicht mehr und trotzdem tapfer weitergehe, durchschreite ich genau in diesem Moment das Tor zu etwas Magischem. Zu meiner unbändigen Kraft, meiner göttlichen Liebe, zu noch mehr Möglichkeiten, Optionen und zu Würde. Ich betrete den Raum des Unendlichen. Ich bin so viel mehr als dieser Schmerz, als mein Körper, als meine jetzige Situation. Unendlichkeit. Das sind wir.

 

 

Ich beobachte an meiner eigenen Geschichte und in dieser Welt, wie wir alle um diese unangenehmen Gefühle herumschlawenzeln. Bestimmt ist das bei dir vollkommen anders, doch bei mir war es oft so, dass ich höchstens kurz in mein Kopfkissen geweint habe, wenn mich etwas getroffen oder verletzt hat. So aus Selbstmitleid oder Selbsthass. Entweder weil ich mich nicht gesehen gefühlt habe, missverstanden oder weil ich mich nicht „richtig“ verhalten hatte. Doch am nächsten Tag hatte ich bereits tausend Abwehrmechanismen in mir, um dieses Gefühl nicht fühlen zu müssen. Ich vermied Situationen und Menschen die vermeintlich „negative“ Gefühle in mir auslösten. Und tschüss...

 

Statt in Konflikte stehen zu bleiben und mich für diese Gefühle die kommen und füreinander zu öffnen, kappte ich lieber Verbindungen, beendete Freundschaften, weil es einfach nicht mehr passte, Beziehungen, weil die Schmetterlinge gerade weg waren, oder der andere einfach ein Arschloch war.

 

Versteh mich bitte nicht falsch. Es gibt durchaus Menschen und Wege die sich in unserem Leben trennen, Werte verändern sich und so ist der Kreislauf des Lebens. Die Frage die ich mir jedoch stelle ist: Bin ich wirklich bis zum Ende gegangen? Bin ich einen Schritt über meinen Schmerz gegangen? War ich bereit der Magie des anderen zu lauschen und mich wirklich und echt auf ihn einzulassen?

 

 

Unser Schmerz ist angekettet an unserem Herzen, er verfolgt uns und wird uns einholen. Früher oder später. Das Leben lenkt uns immer und immer wieder an unsere Schmerzpunkte. Wie gut die Natur es mit uns meint. Denn im Gegensatz zu dem was wir glauben und beigebracht bekommen haben, ist dieser Schmerz nicht unser Feind. Er ist unser größter Freund. Er ist ein Schlüssel zu einem magischen Tor. Hinter diesem Tor wartet all das wonach wir uns am meisten sehnen.

 

Ich bin nun endlich bereit einen Schritt weiter zu gehen. Tiefer. Immer und immer wieder. Tag für Tag. Beziehung für Beziehung.

 

Wenn ich mich nicht verstanden fühle, erkläre ich mich anders.

Wenn ich dich beurteile und verurteile, lausche ich dir aufrichtig.

Wenn ich Angst vor etwas habe, frage ich: Wie würde die Liebe reagieren?  

Wenn mein innerer Schmerz mein Herz zu zerreißen droht, lade ich ihn ein voll zu kommen. Ich werde zu ihm.

Wenn ich verunsichert bin, erwecke ich meinen Würde.   

Wenn ich wegrennen möchte, schmeiße ich mich voll rein.  

 

In uns und unseren Beziehungen steckt das größte Geschenk unseres Lebens bereit. Wir erkennen uns in dem anderen. Das Leben ist ein Spiegelkabinett und ich bin der Projektor. Die Welt ist nicht so wie sie ist, sie ist lediglich eine Projektion meiner Regie. Bisher erkannte ich mich am liebsten in dir, wenn du mir all die schönen Seiten meines Seins gespiegelt hast. Damit ging ich gerne in Resonanz. Sobald du mir eine andere Seite gezeigt hast, hatte das plötzlich nichts mehr mit mir zu tun und weg war ich.

 

Was für eine Verschwendung.

 

 

In unserem Schmerz stehen zu bleiben, einen Schritt weiter zu gehen, für den anderen zu gehen, trägt zu unserer Heilung bei, schenkt uns Würde, Kraft, Standing und führt uns nach Hause.  

 

Es ist die schönste Liebeserklärung an uns selbst

und unser Gegenüber.

 

Und damit für diese Welt.  

 

Magisch berührt

Deine Johanna 

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